Elektrische Neuromodulation

Elektrische Neuromodulation

Elektrische Neuromodulation  - Spinal Cord Stimulation (SCS )

Für eine Reihe ausgewählter Schmerzsyndrome sind auch in Deutschland Therapiekonzepte entwickelt worden, in denen invasive neuromodulative Therapieformen wie die Motorkortexstimulation(MCS), Tiefenhirnstimulation (DBS), Spinal Cord Stimulation (SCS), periphere Nervenstimulation (PNS) und die periphere Nervenfeldstimulation (PNfS) vorgesehen sind.

Definiert wird Neuromodulation als einen Bereich der Wissenschaft, Medizin und Biotechnik, der implantierbare und nicht implantierbare elektrische oder chemische Technologien zum Zwecke der Verbesserung der Lebensqualität und funktionalen Fähigkeiten der Menschen verwendet. 

Der Begriff Neuromodulation ist auch als eine Technologie zu verstehen, die Wirkungen auf neuronale Schnittstellen ausübt und durch elektrische, chemische und mechanische Interventionen eine Modulation bzw. Veränderungen zentraler und peripher Funktionen des Nervensystems auslösen kann.

Die Neuromodulation ist eine Therapieform, in der neurophysiologische Signale initiiert oder beeinflusst werden können, um therapeutische Wirkungen durch Veränderung der Funktion und Leistung des Nervensystems zu erreichen.

Indikationen

Für die Anwendung der Rückenmarkstimulation (SCS) gelten die Indikationen:

  • Neuropathische Schmerzen: z.B. Failed back surgery syndrome, Radikulopathien, inkomplette Plexusläsionen, Rückenmarksläsionen, Phantom- Stumpfschmerzen, Zoster- und Post-Zoster-Neuralgien, Metabolische (Poly-) Neuropathien, Rücken-Bein-Schmerzsyndrome (postoperativ-posttraumatisch)
  • Sympathisch unterhaltene Schmerzen: CRPS I (M. Sudeck), CRPS II (Kausalgie)
  • Ischämieschmerz: periphere AVK (Stadium II b und III nach Fontaine), therapierefraktäre Angina pectoris (CCS III-IV)

Therapie der Rückenmarkstimulation

Bei der Rückenmarksstimulation (SCS) werden in den Wirbelkanal des Schmerzpatienten Elektroden implantiert, die über einen Neurostimulator schwache elektrische Impulse an das Rückenmark abgeben.

Die Therapiekonzeption der SCS beruht auf der bekannten Tatsache, dass die Nachricht Schmerz in einer bestimmten Körperregion durch elektrische Impulse über das Nervensystem an das Gehirn gemeldet wird. Diese körpereigenen Impulse werden im Gehirn als „Schmerz“ wahrgenommen. Wird nun diese Nachrichtenleitung des Patienten durch Impulse des SCS-System gehemmt, gelangen die schmerzauslösenden Signale nicht mehr zum Gehirn. Stattdessen wird im Falle der Rückenmarksstimulation(SCS) bei den Patienten ein angenehmes Kribbeln im Schmerzgebiet empfunden.

Mit Hilfe dieser elektrischen Form der Neuromodulation kann eine deutliche Schmerzlinderung, verbunden mit einer Verbesserung der Lebensqualität des Schmerzkranken erzielt werden. Eine sorgfältige, sachkompetente und längerfristige SCS-Testphase zur Patientenauswahl  ist unbedingt erforderlich, um eine voreilige SCS-Implantation zu vermeiden. Eine mindestens 50 %ige Schmerzreduzierung unter SCS und Berücksichtigung einer erhöhten Patientenaktivität sowie deutlicher Reduzierung der Medikamenteneinnahme gilt als eine erfolgreiche Schmerztherapie. Um die Schmerzen dauerhaft zu lindern, ist nach einer erfolgreichen SCS-Testphase im Rahmen eines einfachen, minimal-invasiven Eingriffs ein permanenter Neurostimulator unter der Haut implantiert.

Für die wichtigsten invasiv-interventionellen schmerztherapeutischen Maßnahmen existieren im Besonderen für die Neuromodulation strenge Diagnostik- und Selektionskriterien und Leitlinien, die es den Schmerztherapeuten ermöglichen, eine präzisere Indikation zu einer speziellen Schmerztherapie zu stellen, als dies pharmakotherapeutische Konzeptionen und andere Therapieoptionen garantieren.